Frank Kürschner-Pelkmann

Thema dieser Webseite: Wasser und Mehr.

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Fortsetzung 3

Eine Hurtigruten-Reise entlang der norwegischen Küste (2011)

Tromsø


Das Erlebniszentrum Polaria in Tromsø hat eine schiefe Fassade, wie umgekippte Eisblöcke

Das moderne Erlebniszentrum „Polaria“ ist nicht nur ein architektonisch interessantes Gebäude, sondern bietet mit modernen Präsentationsmethoden einen lebendigen Einblick in die arktische Natur.

In Tromsø schlossen wir uns der englisch-norwegischen Stadtrundfahrt an, eine gute Entscheidung, denn wir wurden von einer ausgezeichneten norwegischen Stadtführerin begleitet, die in ihrem norwegisch-schottischen Elternhaus nicht nur zweisprachig aufwuchs, sondern offenbar auch den Humor beider Kulturen übernommen hat. Erste Station der Rundfahrt war das Erlebniszentrum „Polaria“, wo wir u.a. einen beeindruckenden Naturfilm über Spitzbergen auf fünf Leinwänden, ein großes Aquarium mit Robben und eine ganze Reihe von kleineren Aquarien gesehen haben.

Blick auf den Hafen und die Stadt Tromsø, das Schiff im Hafen ist sehr dominant

Die „Nordnorge“ im Hafen von Tromsø.

Anschließend lernten wir auf einer Stadtrundfahrt u.a. die Universität und schöne Wohnviertel der 67.000-Einwohner-Stadt kennen. Tromsø galt Anfang des 20. Jahrhunderts als „Paris des Nordens“, weil die internationalen Handelsverbindungen zur Folge hatten, dass hier ein kosmopolitischer Lebensstil Einzug hielt und die Damen sich nach der neuesten Pariser Mode kleideten. Auch die farbenprächtigen Fassaden der Holzhäuser trugen zum Charme der Stadt bei, aber leider sind die meisten dieser Gebäude in der Innenstadt längst durch Geschäftshäuser ersetzt, wie sie auch in jeder anderen größeren europäischen Stadt zu finden sind. Dennoch strahlt Tromsø besonders in den schönen Wohnvierteln am Rande der Innenstadt Wohlstand und architektonischen Geschmack aus.

Die vielen Studentinnen und Studenten aus aller Welt prägen das städtische Leben ganz wesentlich mit. Tromsø gehört zu den bedeutendsten Universitätsstandorten Nordeuropas und hat u.a. eine führende Rolle auf dem Gebiet der „Telemedizin“. An der nördlichsten Universität der Welt studieren mehr als 6.000 Studentinnen und Studenten. Und weil hier fast alles „das nördlichste der Welt“ ist, gibt es auch eine Brauerei in der Stadt, die dies für sich in Anspruch nimmt. Unsere Bustour führt auch am Badestrand vorbei. Unsere Reiseleiterin gesteht ein, dass das Wasser trotz Golfstrom auch im Hochsommer keine einladende Temperatur hat und ihr persönlicher Rekord im Wasser bei 30 Sekunden liegt.

Kirchenfenster mit einem sehr großen Abbild von Jesus

Eismeerkathedrale in Tromsø.

Höhepunkt der zweieinhalbstündigen Rundfahrt war zweifellos der Besuch der Eismeerkathedrale, dem Wahrzeichen von Tromsø. Diese 1965 erbaute Kirche, die man über eine mehr als einen Kilometer lange Brücke über den Sund erreicht, ist das Wahrzeichen der Stadt. Die Dachkonstruktion symbolisiert aufgeschichtete Eisplatten. Es wurde aus Beton gestaltet, der mit Aluminium verkleidet wurde. Der Kirchenraum strahlt Strenge und Einfachheit aus. Gleich ins Auge fällt das große Glasfenster von Victor Sparre zum Thema „Die Wiederkehr Jesu“. Die Orgel besteht aus 2.940 Pfeifen, von denen die längste 9,6 Meter hoch ist und die kürzeste 5 Millimeter. Besonders beeindruckend ist es, auf der Reise in den Norden die Kirche tagsüber zu besichtigen und bei einem kurzen Stopp der Hurtigruten-Schiffe auf der Rückfahrt in den Süden an einem Mitternachtskonzert teilzunehmen. An dem Abend, an dem über 100 „Nordnorge“-Passagiere unter den Zuhörern waren, gestalteten drei Musiker mit Gesang, Trompete, Flügelhorn, Klavier und Orgel ein unvergessliches einstündiges Programm. Sogar eine Zugabe war noch möglich, bevor wir rechtzeitig vor dem Ablegen unseres Schiffes wieder an Bord waren. Mehr über die Kirche erfahren Sie auf der Website ishavskatedralen.no.

Honnigsvåg

Da wir uns entschlossen hatten, nicht den Ausflug zum Nordkap mitzumachen, bot sich die Gelegenheit, die Stadt Honnigsvåg kennenzulernen. Viele touristisch attraktive Punkte gibt es in der Stadt nicht, aber das ließe sich sicher auch von vielen deutschen Orten mit weniger als 3.000 Einwohnern sagen. Und sehr viele Besucher gibt es nicht, denn die meisten Touristen machen sich vom Schiffsanleger aus mit dem Bus auf die Fahrt zum Nordkap und kehren danach direkt wieder auf das Schiff zurück.

Der Troll lacht und hält den Arm auf, damit man sich mit ihm fotografieren lassen kann!

Vor dem Museum von Honnigsvåg begrüßt einer der berühmten norwegischen Trolle die Gäste. Es lohnt, seiner Einladung zu folgen.

Am Interessantesten fanden wir das Museum der Stadt, das u.a. die lange Geschichte der Fischerei in diesem Teil Norwegens lebendig werden lässt. Auch wird dargestellt, wie die Stadt 1944 von der deutschen Wehrmacht vollständig zerstört wurde. Vor dem Museum erinnert eine Statue an den Bernhardiner Bamse, der im Zweiten Weltkrieg zwei Menschenleben gerettet hat. Daneben ist ein origineller Troll gestellt worden. Die Kirche, die etwas oberhalb des Ortes liegt, war leider bei unserem Besuch geschlossen. Laut Reiseführer ist sie nur in den Sommermonaten für Besucher geöffnet.

Kirkenes

Kirkenes ist als End- oder Wendepunkt der Hurtigruten-Reise und vieler Kreuzfahrten bekannt. Die Stadt hat lediglich etwa 3.400 Einwohner, was es schon verbietet, ein quirliges urbanes Leben zu erwarten. Dem Stadtkern von Kirkenes sieht man immer noch an, dass sie bei den mehrjährigen heftigen Kämpfen um das russisch-norwegische Grenzgebiet im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurde. 30.000 deutsche Soldaten versuchten, von Kirkenes aus die alliierten Schiffsgeleitzüge zum russischen Murmansk zu stoppen und diesen einzigen eisfreien russischen Hafen im Nordmeer zu erobern. Die russischen Truppen wehrten alle Angriffe auf Murmansk ab und flogen über 300 Luftangriffe auf Kirkenes. Damit war dies die am häufigsten bombardierte Stadt Norwegens. Als die deutschen Truppen sich Ende 1944 aus Kirkenes zurückzogen, zerstörten sie fast alle stehen gebliebenen Gebäude der Stadt.

Kirche von Kirkenes ist klein und schlicht

Wie fast die gesamte Stadt Kirkenes musste auch die Kirche nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs neu erbaut werden.

Wir hatten uns entschlossen, nicht an die russische Grenze zu fahren, die zehn Kilometer von Kirkenes entfernt ist. Die Bustour endet auf einem großen Parkplatz, und wer nicht unbedingt „abhaken“ will, an dieser Grenze gewesen zu sein, wird wohl etwas enttäuscht auf das Schiff zurückkehren. Wir nutzten den öffentlichen Bus für eine Fahrt in die Stadt und besichtigten die Kirche. Auf dem Markt von Kirkenes hatten russische Händler ihre Stände aufgebaut, wo sie von Textilien bis Glaswaren eine bunte Vielfalt von Waren feilboten. Dank einer Sonderregelung können die Bewohner der russischen Grenzregion ohne Visum nach Kirkenes kommen, was sie in großer Zahl nutzen. Dieser Markt war der lebendigste Punkt der Innenstadt, den wir an diesem Donnerstagvormittag erlebt haben. Bedauert haben wir, dass die „Andersgrotte“ nicht zu besuchen war. Nur im Hochsommer ist dies unangemeldet möglich, sonst nur für Gruppen nach vorheriger Anmeldung. Die Luftschutzgrotte war von 1941 an erbaut worden, um der Zivilbevölkerung bei den vielen Angriffen einen gewissen Schutz zu bieten. Heute wird mit einer Gedenkstätte an die Leiden der Einwohner von Kirkenes im Zweiten Weltkrieg erinnert.

Informationen auf Norwegisch, Englisch und Deutsch gibt es auf der Website der Stadt Kirkenes.

Vardø

Kanonen der Festung Vardøhus vor einer kleinen Häuserreihe mit bewachsenem Dach

Die Kanonen der Festung Vardøhus wurden nie gegen einen Feind gerichtet. Dafür begrüßen sie heute die ersten Sonnenstrahlen nach einem langen, dunklen Winter.

Das Hurtigruten-Schiff stoppte auf dem Weg nach Süden nur eine Stunde in Vardø, aber das war gerade genug Zeit, um die größte Attraktion des Ortes zu besuchen, die Festung Vardøhus. Es gibt eine Führung durch die Festung, aber angesichts der kurzen Zeit reicht es auch, sich dem Strom der Schiffsreisenden anzuschließen, die sich durch den kleinen Ort auf den Weg zur Festung machten. Vardøhus gilt als nördlichster Festungsbau der Welt und wurde zwischen 1734 und 1738 errichtet. Keine der Kanonen der sternförmigen achteckigen Anlage mit Erdwällen und einigen kleinen Gebäuden in der Mitte hat in mehr als zweieinhalb Jahrhunderten jemals auf Feinde gefeuert. Ähnliches lässt sich vermutlich nur von wenigen Festungen auf der Welt sagen.

Vardøhus hat längst keinerlei militärische Bedeutung mehr und steht unter Denkmalschutz. Aber die Kanonen werden inzwischen immer abgefeuert, allerdings nur noch zu schönen Anlässen: zu königlichen Geburtstagen, an norwegischen Nationalfeiertagen und am 21. Januar, dem Tag, an dem die Sonne das erste Mal nach 74 Tagen Dunkelheit wieder über dem Horizont erscheint. Die grasbedeckten Wälle und die flachen Gebäude mit Grasdächern der Festung machen heute einen friedlichen Eindruck und lassen keinen Raum für eine Verherrlichung militärischer Größe. Eine Website über die Festung Vardøhus gibt es bisher nur auf Norwegisch, aber die Fotos sind auch ohne Sprachkenntnisse aussagekräftig. Ein deutschsprachiges Faltblatt ist hier herunterzuladen (Broschüre, pdf-Datei, 948kb).

Blick auf die Stadt Vardø mit Fischerbooten und kleinen Häusern am Hang

Unübersehbar zeigen die Radarkuppeln oberhalb des Ortes die heutige militärische Bedeutung von Vardø.

Vardø wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Wir haben vom heutigen Ort wegen der Kürze der Zeit nur den Weg vom Anleger zur Festung und zurück gesehen. Während von der Festung aus nie ein Schuss auf feindliche Truppen abgefeuert wurde, hatte die Stadt Vardø in den letzten Jahrzehnten eine andere große militärische Bedeutung, denn unter den gut sichtbaren weißen Kuppeln über den Hügeln der Stadt befinden sich Radaranlagen, die seit dem Kalten Krieg zu einem Frühwarnsystem der NATO gehören.

Hammerfest

Eingang zur 'Polar Bear Society'

Besucherinnen und Besucher von Hammerfest sind eingeladen, Mitglieder des „Eisbärenklubs“ zu werden.

Da die Hurtigruten-Schiffe im Zentrum von Hammerfest anlegen, ist es leicht möglich, den kleinen Ort zu Fuß zu erkunden. Das Tourismusbüro wirbt mit dem Slogan „Die nördlichste Stadt der Welt“, was nicht ganz stimmt, und dies gleich aus zwei Gründen. Erstens liegt die Stadt Barrow in Alaska nördlicher und zweitens hat der norwegische Ort Honnigsvåg, der nördlicher gelegen ist, in den 1990er Jahren die Stadtrechte erhalten. Aber der Anspruch, die nördlichste Stadt der Welt zu sein, ist geblieben und fördert den Tourismus. Immerhin kann Hammerfest für sich in Anspruch nehmen, einen der originellsten Klubs im Norden Europas aufzuweisen, den „Eisbärenklub“. Für 180 Norwegische Kronen kann man beim Stopp in Hammerfest gleich in der Nähe des Anlegers die Klubmitgliedschaft erwerben. Das Neumitglied bekommt eine Eisbärenanstecknadel, ein Diplom und einige weitere Vorteile – und das Bewusstsein, zu einem internationalen Klub mit mehr als 220.000 Mitgliedern in aller Welt zu gehören. Mehr Informationen finden Sie auf der Website isbjornklubben.no.

Ein „Muss“ in Hammerfest ist gerade für deutsche Besucher das „Wiederaufbaumuseum“, das an die schreckliche Geschichte der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs, die Zwangsevakuierung und Zerstörung der Stadt Hammerfest und vieler anderer Orte in Nordnorwegen beim deutschen Rückzug und den mühsamen Wiederaufbau nach dem Krieg erinnert. Wer sich noch fragen sollte, warum besonders ältere Norwegerinnen und Norweger große Vorbehalte gegen Deutsche haben, findet in diesem Museum erschütternde Antworten. Im „Wiederaufbaumuseum“ lassen viele Fotos und Gegenstände aus der Kriegs- und Nachkriegszeit sowie ein Film die damaligen Ereignisse wieder lebendig werden.

Ein Zimmer mit vielen alten Details, wie einem Schaukelstuhl und einer Nähmaschine

Im „Wiederaufbaumuseum“ zeigen Fotos und Beispiele von Wohnungseinrichtungen, wie schwierig der Neuanfang nach den Zerstörungen am Ende des Zweiten Weltkriegs war.

Erinnert wird u.a. an die vielen Tausend Menschen, die sich der im Oktober 1944 angeordneten Zwangsevakuierung durch die deutsche Wehrmacht dadurch entzogen, dass sie sich in Höhlen versteckten und dort unter erbärmlichen Bedingungen in großer Kälte bis zum Ende des Krieges ausharrten. Viele der Flüchtlinge starben an Krankheiten, Unterernährung und Entkräftung. Als die Überlebenden nach Kriegsende in ihre Heimatorte zurückkehrten, mussten sie feststellen, wie gründlich die deutschen Truppen Hitlers Befehl ausgeführt hatten, beim Rückzug nur „verbrannte Erde“ zu hinterlassen. Bei Kriegsende waren 75.000 Norwegerinnen und Norweger Flüchtlinge im eigenen Land, die unter schwierigsten Bedingungen mit dem Wiederaufbau der zerstörten Dörfer und Städte beginnen mussten. Aber auch wenn zunächst nur ein Leben in Baracken möglich war, kehrten die meisten Menschen in ihre Heimatgebiete zurück. Es fehlte an allem, auch an Baumaterial. Aber die Norwegerinnen und Norweger gaben nicht auf, und im Museum ist zu sehen, wie von den 1950er Jahren ganz allmählich wieder ein gewisser Wohlstand auch im Norden des Landes entstand. Mehr erfahren Sie hier: kystmuseene.no.

Kirche von Hamerfest hat einen sehr spitz zulaufenden Turm

Die Kirche von Hammerfest fällt durch ihre gelungene Architektur auf.

Die Kirche von Hammerfest liegt auf einem Hügel der Stadt und fällt schon durch ihre interessante Architektur auf und lohnt allein schon wegen der Glasfenster einen Besuch. Wenn man die zeltartig gestaltete Kirche betritt, fallen sofort die Glasgemälde hinter dem Altar auf, aber auch die kleinen Glasfenster an den Seitenwänden der Kirche sind sehenswert. Auf dem Weg zurück zum Ausgang blickte ich lange auf die Orgel und die farbigen Holzbilder an der Empore. Der Kirchenbau wurde mit Unterstützung deutscher Freiwilliger errichtet und 1961 eingeweiht. Die Kirche ist heute das religiöse Zentrum einer Gemeinde mit 10.000 Mitgliedern.

Mehr über Hammerfest erfahren Sie auf dieser Website: hammerfest-turist.no.


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