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Eine Hurtigruten-Reise entlang der norwegischen Küste (2011)
Den ersten längeren Stopp legte unser Schiff im Hafen von Ålesund ein. Am Anfang der heutigen Schönheit von Ålesund stand eine Katastrophe. Am 23. Januar 1904 wütete 16 Stunden lang ein Feuer in der Stadt, und danach waren etwa 850 Häuser vernichtet und 10.000 Menschen obdachlos.
Ålesund ist für seine vielen Jugendstilgebäude bekannt
Diese Feuersbrunst und ihre Folgen lösten überall in Europa eine Welle des Mitgefühls und großer Hilfsbereitschaft aus, sodass die Stadt mit großer Eigeninitiative und mit Unterstützung aus ganz Europa bald wieder aufgebaut werden konnte. Zu den Unterstützern gehörte auch der deutsche Kaiser, der Norwegen durch mehrere Urlaubsreisen verbunden war. Aus Dank wurde eine Straße der Stadt nach ihm benannt. Norwegische Architekten, die vom Jugendstil inspiriert waren, entwarfen die neue Stadt. Da sie im Zweiten Weltkrieg glücklicherweise nicht zerstört wurde, ist heute noch in der Innenstadt von Ålesund dieses Jugendstilensemble zu bewundern.
Da wir Ende September reisten, fuhr unser Schiff zwar nicht mehr wie im Sommer durch den Geirangerfjord, dafür hatten wir drei Stunden Zeit für ein ausführliches Kennenlernen von Ålesund. Günstigerweise legt das Hurtigruten-Schiff ganz in der Nähe des Stadtzentrums an, sodass wir sehr rasch die Fußgängerzone Kongensgate mit zahlreichen Jugendstilhäusern erreichten. Es ging hier selbst an einem Sonnabendmittag beschaulich zu, und so konnten wir die Jugendstildekorationen der Geschäftshäuser ungestört auf uns wirken lassen.
Das „Jugendstilzentrum“ vermittelt in einer früheren Apotheke einen lebendigen Einblick in den Jugendstil in Ålesund und seine Beziehung zur Jugendstilbewegung im übrigen Europa.
Vielleicht dreihundert Meter vom Ende dieser Straße aus erreicht man nach dem Überqueren einer Brücke das „Jugendstilzentrum“, das in einer früheren Apotheke untergebracht ist. Das Gebäude aus dem Jahr 1907 steht unter Denkmalschutz, und die Apotheke ist mit ihrer ursprünglichen Einrichtung zu bewundern. Neben Ausstellungsräumen mit Möbeln, Textilien, Glas u.a. aus der Epoche des Jugendstils haben wir uns die Multimedia-Präsentation „Traum und Wirklichkeit“ angesehen. Auf gelungene Weise wird die norwegische Jugendstiltradition eingeordnet in die Entstehung und Entfaltung dieser Kunstrichtung in verschiedenen europäischen Ländern. Die „Zeitmaschine“ mit Bildern und Hörtexten zu großem Brand und Wiederaufbau von Ålesund haben wir nicht kennengelernt, weil sie durch Voranmeldungen für mehrere Stunden besetzt war. So blieb uns Zeit, das Café des Museums aufzusuchen und anschließend an der Uferpromenade entlang zu schlendern. Ålesund ist einen längeren Besuch wert, und wir hoffen, die Stadt noch einmal etwas ausführlicher kennenzulernen. Auf der Website der Stadt Ålesund findet man einige Informationen auch auf Deutsch und man wird auf eine Website über die Stadt und ihre „herumliegende Gegend“ verwiesen.
Der Nidarosdom gehört zu den wichtigsten Zielen der Besucherinnen und Besucher von Trondheim.
1217 wurde die Hauptstadt des Landes nach Bergen verlegt. Um so wichtiger war für Nidaros, dass der Ort zu einem bedeutenden Wallfahrtsort aufstieg. Tausende Pilger zogen jedes Jahr von weither zum Schrein von König Olav dem Heiligen, für den zunächst eine kleine Holzkapelle errichtet wurde, aus der bald eine große Kathedrale wurde, der Nidarosdom. Die Kirche zählt zu den bedeutenden Kirchen Norwegens und war im Mittelalter und im 19. Jahrhundert Krönungskirche der norwegischen Könige. Seit der Reformation ist die Kathedrale lutherischer Bischofssitz. Wen immer der heilige Olav vor Unbill aller Art geschützt hat, seine Kirche war es nicht, denn sie wurde im 14., 15. und 16. Jahrhundert durch Brände zerstört. Als danach nur noch die Apsis übrig war, wurde auch diese bei einem Brand 1708 ein Opfer der Flammen. Ein Jahrzehnt später wurde die gerade wiederaufgebaute Kirche nach einem Blitzeinschlag erneut zerstört. Zurück blieb eine Ruine. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts begann man mit dem Wiederaufbau, der weitgehend ein Neubau wurde. Man hat romanische und gotische Traditionen neu belebt und auf gelungene Weise zu einer Kathedrale vereint.
Bei unserer Trondheim-Stadtrundfahrt war dieser Dom die erste Station. Wir waren gebührend beeindruckt von der mehr als 100 Meter langen Kirche, deren Gewölbe 21 Meter hoch sind. Unvergesslich sind die Glasmalereien aus der ersten und der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die von der Kathedrale von Chartres inspiriert wurden. Im Dom finden mittlerweile häufig Konzerte statt, aber dafür war bei unserem kurzen Besuch keine Zeit. Die Website des Doms informiert auf Norwegisch, aber die vielen gelungenen Fotos lohnen einen „Besuch“ der Website nidarosdomen.no, auch wenn man über keine Norwegischkenntnisse verfügt.
Das Ringve-Museum beherbergt in einem alten Landsitz eine der größten Musikinstrumentensammlungen Nordeuropas.
Im Ringve-Museum, einem früheren Landsitz („Lusthof“) am Rande von Trondheim, sind fast 2.000 Musikinstrumente ausgestellt, darunter eine große Zahl traditioneller norwegischer Instrumente. Gegründet wurde das Museum von der russischen Künstlerin Victoria Backle, die nach der Revolution von 1917 aus St. Petersburg geflüchtet war und in Trondheim eine neue Heimat fand. Ihrer Sammelleidenschaft ist es zu verdanken, dass in dem heutigen Museum zahlreiche Instrumente aus aller Welt und aus vielen Musikepochen zu finden sind. Unsere Reisegruppe wurde von einem jüngeren norwegischen Musiker durch die Ausstellung geführt, der nicht nur ausgewählte Instrumente vorstellte, sondern auch kleine Stücke auf ihnen spielte. Gern hätten wir dort länger verweilt und auch den benachbarten Botanischen Garten besucht, aber der Bus wartete, um uns rechtzeitig zurück zum Schiff zu bringen. Mit Christian Morgenstern stellten wir nach der Rückkehr an Bord fest: „Wieder ein Erlebnis voll von Honig.“ Mehr Informationen (auf Englisch) finden Sie auf der Website der Stadt Trondheim.
Morgenstimmung in der Nähe des Polarkreises.
Am nächsten Morgen passierten wir in aller Frühe den Polarkreis, aber um die Reisenden nicht zu dieser frühen Stunde hochzuschrecken, wurde die Polartaufe auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Und auch wer auf Eisstücke im Rücken und einen Schnaps keinen Wert legte, erhielt eine Urkunde über die Polarüberquerung.
An diesem Tag verließen wir in Bodø das Postschiff, eine 45.000-Einwohner-Stadt. Die Stadt ist nicht nur ein Industrie-, sondern auch ein Militärzentrum. Unübersehbar und nicht selten wohl auch unüberhörbar ist die Luftwaffenbasis in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums. Dort befinden sich auch der zivile Flughafen und ein Luftfahrtmuseum. Die offizielle Website der Stadt Bodø bietet auch auf Englisch viele nützliche Informationen.
Glasfenster in der Kirche von Bodø.
Wir haben uns zu Fuß auf den Weg vom Hafen in die Innenstadt gemacht. Die Straße ist leider viel befahren, und so waren wir froh, als wir den Dom von Bodø erreicht hatten. Die frühere Kirche von Bodø wurde zusammen mit 400 weiteren Gebäuden des Ortes bei einem deutschen Luftangriff am 27. Mai 1940 vernichtet. Nur die Messgewänder, das Altarsilber und das Taufbecken konnten vor den Flammen in Sicherheit gebracht werden. Nach dem Krieg musste der Gottesdienst in provisorischen Räumen gefeiert werden, auch dann noch, als Bodø 1952 zum Bischofssitz geworden war. Erst 1956 war der neue Dom, der auch als Nordland-Kathedrale bezeichnet wird, fertig gestellt. Ein Besuch lohnt, selbst wenn der Betonbau von außen – abgesehen von dem architektonisch interessanten freistehenden Kirchturm – wenig attraktiv wirkt. Das Kirchengebäude ist in seiner Schlichtheit ein Ausdruck für die Mühen, in der Nachkriegszeit die zerstörten Orte Norwegens wieder aufzubauen. Innen wirkt die Kirche sehr viel freundlicher, wozu das 12 Meter hohe Glasgemälde hinter dem Altar beiträgt, das als wichtigstes Motiv die Himmelfahrt Jesu darstellt. Sehenswert ist auch das Rosenfenster an der Westseite der Kirche, das das Kirchenlied aufnimmt „Es ist ein Ros’ entsprungen …“. Am Fuß des Turmes erinnert ein Gedenkstein an die Einwohner von Bodø, die im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen sind. Der Dom ist heute auch Kulturkirche mit vielen Musik-, Tanz-, Theater- und Literaturveranstaltungen, ein Programm, das man während einer Hurtigrutenreise leider nicht erleben kann.
Nur durch eine Straße vom Dom getrennt, lädt das Nordlandmuseum zu einem Besuch ein. Es ist ein relativ kleines Museum, das aber gerade deshalb gut beim Stopp in Bodø eingeplant werden kann. Es entstand aus einem Fischereimuseum, enthält aber inzwischen auch eine Darstellung der Stadtgeschichte, einen Silberschatz der Wikinger und ein Trockenaquarium. Einen thematischen Schwerpunkt des Museums bildet das Leben der Samen in Nordnorwegen. Beklemmend sind die Fotos vom verheerenden deutschen Luftangriff 1940 und dem Alltag während der deutschen Besatzungszeit.
Nach dem Besuch von Kirche und Museum blieb uns noch etwas Zeit, durch die Stadt zu schlendern, was durch den starken Autoverkehr etwas beeinträchtigt wurde. Ansonsten hatte der Dumont-Reiseführer über die Hurtigruten recht, in dem steht, dass „die Stadt heute weitestgehend ein Stein- und Betonkleid trägt“ und dass in der Verwaltungs-, Handels- und Industriestadt Idylle nicht zu erwarten sei. Bald ging es schon zurück zum Schiffsanleger.
Einer unserer Mitreisenden erzählte uns von einem sehr beeindruckten Ausflug zu den Saltstraumen, dem stärksten Gezeitenstrom der Welt. Das Durchgeschütteltwerden bei der Fahrt mit dem Speedboot wurde belohnt durch die Eindrücke von Meeresbewegung und Fjordlandschaft. Alle sechs Stunden zwängen sich fast 400 Millionen Kubikmeter Wasser mit hoher Geschwindigkeit durch eine 150 Meter breite Passage mit einer stattlichen Länge von drei Kilometern.
Mehr Informationen und zahlreiche Fotos über die Saltsraumen finden Sie auf der Website destinasjon-saltstraumen.com.
→ Fortsetzung 2: Paris des Nordens
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