Toiletten für alle
„Sanitäre Versorgung ist ein sensibles Thema. Es ist ein unpopuläres Thema. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die sanitäre Krise nicht die erforderliche Antwort gefunden hat.“ So beschrieb UN-Generalsekretär Ban Ki-moon am 21. Juni 2011 die Notwendigkeit, die katastrophale sanitäre Situation in vielen Ländern nicht länger durch Schweigen zu übergehen: „Es ist Zeit, sanitäre Themen und den Zugang zu einwandfreien Toiletten in den Mittelpunkt unserer Entwicklungsdiskussionen zu stellen.“
Noch immer haben 2,6 Milliarden Menschen keinen Zugang zu gesundheitlich unbedenklichen Toiletten. Damit ist die Welt noch weit davon entfernt, das Millenniums-Entwicklungsziel zu erreichen, den Anteil der Menschen in Entwicklungsländern ohne sanitäre Versorgung im Vergleich zu 1990 bis 2015 zu halbieren. 1990 hatten 42% der Menschen in Entwicklungsländern Zugang zu einer angemessenen sanitären Versorgung, 2008 waren es erst 53%. Hinzu kommt, dass die regionalen Unterschiede innerhalb des Südens der Welt sehr groß sind. In Afrika haben weniger als ein Drittel der Menschen einen Zugang zu einer gesundheitlich unbedenklichen Toilette, und dieser Anteil hat sich seit 1990 nur geringfügig erhöht. In Lateinamerika haben hingegen inzwischen vier von fünf Menschen eine angemessene sanitäre Versorgung, in Nordafrika sogar neun von zehn. (Zahlen aus dem "Millennium Development Goals Report 2011" der Vereinten Nationen, pdf-Datei, 4,1 MB)
Bleibt es beim jetzigen langsamen Tempo der Verbesserung der sanitären Versorgung, wird das Millenniums-Entwicklungsziel erst 2049 erreicht. Aber Eile ist geboten, denn die katastrophale sanitäre Situation hat viele negative und oft tödliche Folgen. Nach Angaben von UNICEF sterben jedes Jahr mindestens 1,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen, die vor allem durch schlechte hygienische Verhältnisse und fehlende gesundheitlich unbedenkliche Toiletten verursacht werden.
Die Vereinten Nationen haben deshalb jetzt die Initiative "Sanitation for all: The Five-Year-Drive to 2015" ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Anstrengungen für eine Verbesserung der sanitären Versorgung auf der Welt bis 2015 zu verdoppeln. Es soll überall auf der Welt deutlich gemacht werden, dass die sanitäre Versorgung unverzichtbar für eine gute Gesundheit ist, ebenso für Würde, Gleichheit und Sicherheit. Die Vereinten Nationen möchten auch vermitteln, dass sanitäre Verbesserungen die wirtschaftliche Entwicklung fördern und zugleich dem Schutz der Natur dienen. Zu den wichtigsten Zielen der Initiative gehört es, lokale Gemeinschaften dabei zu unterstützen, nachhaltige sanitäre Lösungen zu verwirklichen.
Weitere Informationen zu der Initiative der Vereinten Nationen finden Sie auf deren Website: www.sanitationdrive2015.org
(Frank Kürschner-Pelkmann)