Wasser und Klimawandel
Der nicht mehr abwendbare Klimawandel wird gravierende Auswirkungen auf Flüsse, Meere, Grundwasser und Trinkwasserversorgung haben. Diese Einsicht hat das Stockholm International Water Institute (SIWI) und eine Reihe anderer schwedischer Institutionen und Forschungseinrichtungen dazu veranlasst, einen Bericht zum Thema „Adapting Water Management to Climate Change“ zu erarbeiten. Dieser 24-seitige Bericht wurde zur Weltwasserwoche 2009 in Stockholm Mitte August präsentiert. Regierungen, Entwicklungsorganisationen, UN-Organisationen und viele andere Akteure im Wasserbereich sollen durch den Bericht dafür gewonnen werden, Strategien zum Wassermanagement zu fördern, die geeignet sind, mit den gegenwärtigen und zukünftigen Problemen fertig zu werden, die durch den Klimawandel ausgelöst werden.
In dem Bericht wird zunächst dargestellt, wie gravierend und vielfältig die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserressourcen der Welt sind. Sowohl Dürren als auch heftige Niederschläge werden sich in vielen Weltregionen weiter verstärken. Dass sich die wirtschaftlichen Schäden durch Flutkatastrophen sich weltweit von 1950 bis 1980 verfünffacht haben, lässt erwarten, dass die ökonomischen Folgen von Fluten und Dürren noch weit größere Dimensionen annehmen werden. In den letzten Jahren betonen Wissenschaftler außerdem immer stärker die zu erwartenden negativen Auswirkungen des Schmelzens der Gletscher in Alpen, Himalaja, Anden und anderen Hochgebirgen auf die großen Flusssysteme, die Grundwasserbildung und Trinkwasserversorgung.
In dem Bericht werden im zweiten Teil ausführlich Konzepte der Anpassung des Wasserbereichs an den Klimawandel dargestellt und analysiert. Es wird u.a. darauf verwiesen, dass angesichts der zu erwartenden Klimaveränderungen die Ausweitung von Regenwassersammel-Systemen in regenarmen Ländern eine noch größere Bedeutung gewinnt, ebenso der Bau von Reservoirs zur Speicherung von Fluss- und Regenwasser. Auch wird dafür plädiert, Wasser effizienter zu nutzen (z.B. in der Bewässerungslandwirtschaft).
Solche Einzelmaßnahmen sollten eingebettet sein in ein "Integrated Water Resource Management", ein systematischer Prozess, um eine nachhaltige Entwicklung und gleichberechtigte Zuteilung von Wasserressourcen zu erreichen. Damit verbunden ist eine Anpassung des Wassermanagements an die Bedingungen des Klimawandels und eine Reduzierung der Verletzlichkeit von Ökosystemen und Gesellschaften angesichts von extremen Wetterverhältnissen.
Einen Schwerpunkt des Berichtes bilden konkrete Beispiele für die Umsetzung von Anpassungsstrategien in verschiedenen Ländern, z.B. im Thukela-Flusseinzugsgebiet in Südafrika, mit Regenwassersammelanlagen in Indien und mit „Agroforestry“ am Viktoriasee in Ostafrika.
Im letzten Teil des Berichts werden dann Hindernisse für eine Anpassung an unvermeidbare Folgen des Klimawandels und Möglichkeiten zu deren Überwindung dargestellt. Neben fehlender Partizipation der lokalen Bevölkerung und unzureichenden Finanzmitteln wird u.a. auch ein Ausschluss von Frauen bei der Entscheidungsfindung über Maßnahmen zum Klimaschutz genannt. Dabei sind Frauen für die Beschaffung von Trinkwasser und für viele andere wasserbezogene Aufgaben zuständig. Ohne ihre Mitwirkung sind viele geplante Maßnahmen zum Scheitern verurteilt.
Der Bericht kann auf der Website siwi.org (pdf-Datei, 1,68 MB) heruntergeladen werden.
(Frank Kürschner-Pelkmann)